Nachdem Sie Ihre jeweiligen Muster (typische Reaktionen auf unerfüllte Bedürfnisse) erkannt haben, schauen wir nun darauf, wie Sie miteinander als Paar interagieren. Für gewöhnlich reagieren wir in der Partnerschaft auf das, was unser Partner uns gegenüber emotional ausdrückt – im positiven wie im negativen Sinne. Im Folgenden ein Beispiel, wie Paare in eine Negativspirale geraten können: Wenn das Bedürfnis von Partner A nach positiver Bestätigung durch den Partner B nicht erfüllt wird, dann kann sich Partner A, in den Augen des Partners, nutzlos fühlen (primäre Emotion) und mit Ärger (sekundäre Emotion) auf Partner B reagieren, da dieser dieses Gefühl vermeintlich verursacht hat. Partner B wird wiederum auf den auf ihn ausgerichteten Ärger gemäß seiner Bedürfnislage reagieren. Angenommen Partner B hat das Bedürfnis sich in der Partnerschaft nah und verbunden zu fühlen, so kann der ausgedrückte Ärger von Partner A ein Gefühl von Einsamkeit in ihm hervorrufen. Aber anstatt das entstandene Gefühl von Einsamkeit mitzuteilen, werden gegenüber Partner A Kritik, Vorwürfe oder Beschuldigungen formuliert. Dies kann sich wiederum negativ auf Partner A auswirken, was zu weiteren Reaktionen führt.
Um im nächsten Schritt Ihre Negativspirale erkennen zu können, benötigen Sie die Information, wie Sie jeweils auf die sekundären Emotionen des Partners reagieren. Sie können hier das Formblatt „Unser Beziehungsmuster“ nutzen oder sich wie folgt Notizen machen:
Die ausgedrückte sekundäre Emotion des Partners A ______________________ beeinflusst das zugrundeliegende Bedürfnis von Partner B nach______________________.
Partner B reagiert auf die Nichterfüllung / Verletzung des eigenen Bedürfnisses mit der sekundären Emotion _______________________.
Die Reaktion von Partner B mit dieser sekundären Emotion __________________ (gleicher Eintrag wie zuvor) hat Auswirkungen auf das Bedürfnis von Partner A nach _____________________________. Partner A zeigt in der Reaktion auf die Verletzung / Nichterfüllung des eigenen Bedürfnisses die sekundäre Emotion ____________________________.
Ihre eigene Negativspirale als Paar zu finden, mit der Sie sich beide identifizieren können ist nicht einfach und erfordert oft sogar eine intensivere Auseinandersetzung. Die Bearbeitung kann dazu führen, dass Sie in einen Konflikt geraten, sich beschuldigt, missverstanden oder vom Partner definiert fühlen. Um dies zu vermeiden, versuchen Sie bei sich zu bleiben und Verantwortung für Ihre eigenen Gefühle und Reaktionen zu übernehmen. Ermöglichen Sie Ihrem Partner für sich herauszufinden, wie er oder sie auf Ihren emotionalen Ausdruck reagiert. Versuchen sie ehrlich mit sich selbst und Ihrem Partner zu sein. Wenn Sie die Aufgabe nicht gemeinsam beenden können oder möchten, unterbrechen Sie und schauen Sie es sich jeder einzeln an. Wenn Sie sich zu einem späteren Zeitpunkt wieder bereit fühlen, versuchen Sie die Wiederaufnahme der gemeinsamen Bearbeitung.
Viele Paare, die ein solches Muster bei sich entdecken, finden dies hilfreich. Das Problem erscheint dann klarer umrissen und es wird dann nicht mehr so erlebt, als ob einer der beiden Partner Schuld ist. Denken Sie daran, dass das Interaktionsmuster, die Negativspirale, das Problem ist und nicht der Partner. Die gemeinsame Aufgabe, die nun vor Ihnen liegt ist, sich gegenseitig zu helfen aus dieser Negativspirale herauszubrechen.